Weihnachten einmal anders, das war der Plan meines Bruders, als er uns für den Heiligen Abend einlud. Er war in der glücklichen Lage, ein großes Haus mit einer überdachten Veranda zu besitzen, und so wollte er tatsächlich Grillen. Vor allem bei meinen Eltern stieß der Bruch mit den Traditionen auf Widerwillen. Bisher hatten wir immer mit Würstchen, Bratkartoffeln und Kraut Vorlieb genommen. Dieses Jahr sollte das anders sein. Als Argumente führte mein Bruder zwei Dinge an. Andere würden Raclette und Fondue essen, also könne man auch grillen. Der zweite Grund war, dass er und seine Frau einen neuen Gasgrill von Weber von seinen Schwiegereltern geschenkt bekommen sollten, und er keinesfalls bis in den Sommer warten könne, bis er diesen ausprobiert.
Ein komisches Gefühl war es dann doch, als wir uns aufmachten, um am Heiligen Abend zu ihm zu fahren. Auch mein Mann sagte, dass es komisch sei, an Weihnachten auf eine Grillparty zu gehen. Aber wir wollten uns überraschen lassen. Es wurde ein besinnlicher und gelungener Abend, darüber waren wir uns schon einig, als wir von der Messe nach Hause gingen. Auf dem Grill landeten Folienkartoffeln und Würstchen, auch das Kraut für die Eltern fehlte nicht. Meine Schwägerin hatte aber auch leckere Salate gemacht und einige Steaks mariniert. Für jeden war etwas dabei. Die Kinder waren begeistert, und auch die Eltern versöhnt.
Als nach dem Essen ganz konventionell die Familie miteinander Stille Nacht sang, und dann die Bescherung stattfand, hatten alle das gleiche Leuchten in den Augen, wie all die Jahre zuvor. Weihnachten einmal anders: Warum eigentlich nicht?
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