Weihnachten ist das Fest der Besinnung, der Familie und der Liebe. Alle Streitigkeiten geraten an diesen Tagen in den Hintergrund. Die Familie sitzt unter dem Weihnachtsbaum, beschenkt sich mit liebevollen Geschenkideen und singt die alt bekannten Lieder. Doch was, wenn nun der Son oder die Tochter auf einmal in dunklen Kleidungsstücken, mit schrägen Verzierungen und komischen Frisuren mit unter dem Weihnachtsbaum sitzt? Dies ist natürlich rein die Sichtweise der Erwachsenen, die so in ihren Reglements festgefahren sind, dass sie Auffälligkeiten nicht tolerieren wollen.
Für einen jungen Menschen, der sich entschieden hat, der Gothic Szene anzugehören, ist die andere Kleidung einfach ein Ausdruck seines Lebensgefühls. Die Musik, die er hört, wird an Klassik gewöhnte Ohren nicht gerade verwöhnen. Auch die Art, sich zu schminken, findet nicht jeder toll. Mit den Begriffen viktorianische Ästhetik, womit die blass geschminkten Gesichter manchmal bezeichnet werden, können die Eltern oder Großeltern nicht viel anfangen. Über den Rosenkranz am Handgelenk wird sich vielleicht mancher noch freuen, doch wenn es dann um Piercings und Sicherheitsnadeln als Körperschmuck geht, ist meistens ein gewisses Maß an Toleranz erreicht. Auch in der Familie stoßen die Anhänger der Gothic Szene oft auf Widerwillen und Intoleranz.
Es gibt zwei Möglichkeiten, das Weihnachtsfest zu retten. Die Erwachsenen sehen über das andere Styling hinweg und tun einfach so, als säße da noch der Nachwuchs aus dem letzten Jahr, gekleidet in Jeans und T-Shirt. Oder der Goth lässt seine Szene Kleidung für den einen Tag im Schrank und passt sich, den Angehörigen zuliebe, an. Vielleicht wird es schwer, seinen Lifestyle hier zu verbergen, aber was tut man nicht alles um des lieben Friedens willen? Eine abgeschwächte Version, ohne Hut, Mantel, Korsage und Netzstrumpfhose reicht ja auch. Deswegen muss man ja nicht in Anzug oder Kostüm seine Aufwartung am Heiligen Abend machen. Den Eltern wird’s gefallen und Weihnachten ist gerettet.
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