Immer wieder werden Stimmen laut, die bemängeln, dass Weihnachten nichts mehr mit dem Fest der Liebe zu tun hat, sondern nur noch von Materialismus begleitet wird. Schon im September, wenn noch Flip Flops und T-Shirts im Kleiderschrank befindlich sind, weisen uns Spekulatius und andere Leckereien auf das nahende Fest hin. Natürlich ist es dann auch schon wieder allerhöchste Zeit, die Geschenke zu besorgen. Größer und teurer, als das Jahr zuvor und natürlich vom Allerfeinsten. Nur so und nicht anders wird eingekauft. Die Mama bekommt eine tolle Kette, der Papa die Uhr. Für die Schwester soll es etwas ganz Besonderes sein: Sie und ihr Mann bekommen von der ganzen Familie einen Whirl Pool geschenkt. Hierüber muss man sich natürlich auch schon informieren, denn schließlich muss das Gerät rechtzeitig zur Bescherung da sein. So geht es in einem fort, bis auch alle Kinder etwas bekommen. Es ist ja auch schon Mitte Oktober, also allerhöchste Zeit. Die Geschenke müssen alle beisammen und verpackt sein, bis die Backorgien beginnen. 24 Sorten Plätzchen, zwei verschiedene Stollen und das Rezept für die Weihnachtsgans muss mindestens einmal ausprobiert werden. Wer soll bei all dem Stress dann noch Zeit für die Geschenke haben? Eine Idee am 23. Dezember kommt sowieso immer noch, also muss man doch noch einmal in die Stadt. Jedes Jahr schwören sich etliche Menschen, es im nächsten Jahr anders, besser und ruhiger zu versuchen.

Die Pläne sind ja nicht verkehrt. Es soll gewichtelt werden, die Geschenke ein Nebeneffekt für das Fest der Liebe sein. Wichtig ist es doch, dass man sich gegenseitig hat. Gemütlich zusammen sitzen, Punsch trinken, Zeit miteinander verbringen: So soll Weihnachten nächstes Jahr sein. Oder übernächstes Jahr. Auf jeden Fall irgendwann einmal. Ob die Kinder nicht vom gemeinsamen Spielen mit den Eltern ebenso leuchtende Augen bekommen würden, wie von dem Spielkonsolen-Spiel? Ob sich der Vater und die Mutter nicht über liebe Worte und eine herzliche Umarmung ebenfalls zu Tränen rühren ließen? Man weiß es nicht, denn es kommt immer anders…

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